Lionel Sanders

Vernünftig trainieren mit einem Coach

Vernünftig trainieren – mit oder doch lieber ohne Coach? Diese Frage stellte sich in den vergangenen Tagen offenbar auch Lionel Sanders. Nach einem weiteren total vergurkten Kona, das eine ebenso vergurkte Saison abschloss (naja, nicht ganz: tags darauf gewann er immerhin den 70.3 Los Cabos).

In einem seiner unnachahmlichen, wirklich authentischen und entwaffnend ehrlichen Video-Interviews mit Talbot Cox (siehe auch am Ende dieses Posts), betitelt er sich selbst als Idiot. Das Video trägt den bezeichnenden Namen „You Can’t Do It Alone“ – Du kannst es nicht alleine tun. Manche Athleten bekommen es zwar bis zu einem gewissen Punkt recht gut hin, alleine – ohne einen Coach – zu trainieren. Aber unser volles Potenzial reizen wir auf diese Art und Weise praktisch nie aus.

IRONMAN 70.3 Los Cabos

You can’t do it alone!

Und hier sind wir schon beim Kern dieses Artikels. Du, ich, wir alle sind in aller Regel meilenweit von unserer wahren Größe, unseren unvorstellbaren Möglichkeiten, unseres vollen Potenzials entfernt. Die ernsthaften Jungs und Mädels, die Frodos und Sebis dieser Welt, arbeiten jeden Tag sehr professionell und hart daran und sind sicher auch recht nah an ihrem individuellen Potenzial (was den Sport betrifft). Aber wir „normalen“ Athleten sind mehr oder weniger weit von dieser imaginären Grenze entfernt. Meistens mehr.

Lionel's Schwimmtraining

Wahrscheinlich geht es Dir wie Lionel und vielen anderen Athleten: Du hast über die Jahre schon so viel Neues gelernt, hast Fehler gemacht, diese korrigiert, hast Equipment getestet und für gut (oder schlecht befunden), hast ohne Coach trainiert. Du hast vielleicht kostenlose, generische Trainingspläne aus dem Internet runter geladen und danach trainiert. Und vielleicht hat das – v.a. in der Anfangszeit, wenn so ziemlich alles hilft – gut funktioniert. Aber irgendwann war Schluss. Stagnation.

Anekdote

Aktuelle Anekdote eines Athleten, der sich überlegt, mit mir zu arbeiten: Erste Langdistanz in 11:xx Stunden mit einem gebraucht für 300 € gekauften Fahrrad (sehr geiler Einstieg aus meiner Sicht). ABER – und das ist ein entscheidendes Aber: Viele Jahre später mit dem besten Zeitfahr-Hobel, den es für Geld zu kaufen gibt und viel mehr Training (wirklich viel, viel Training!) immer noch nicht unter 11 Stunden. Nach professioneller Abwägung aller Informationen: Potenzial OHNE ENDE! Er weiß im Grunde genau, was er bräuchte. Aber in seinem Kopf – und das ist symptomatisch für die durch und durch unprofessionelle Branche – ein etwas schräges Werte-Verständnis. Nach dem Motto: 2.500 € für den tollen Aero-Laufradsatz (der ihn vielleicht 15 Sekunden schneller macht) – kein Thema! Aber 2.500 € für einen guten Coach – das kann ich mir nicht leisten.

Wie ein Kollege jüngst auf Facebook teilte:

Facebook Post

Oder ein anderer mir bekannter Athlet, der gerne nochmal nach Kona gehen würde und nun schon den dritten IRONMAN (zwei davon in den USA) gemacht hat und sich gleich drei Mal bewiesen hat, dass er es NICHT schafft. Und großes Pfadfinder-Ehrenwort: Ich kenne ihn sehr gut und aus meiner Sicht müsste er sich entspannt an jedem Tag im Jahr qualifizieren (der ist RICHTIG GUT!).

Eine Frage der Wertschätzung

In beiden Fällen ist es wie so oft im Leben natürlich viel einfacher, das von außen zu erkennen (mit etwas Kompetenz und Erfahrung). Aber leider ist es im Leben oft sehr schwierig, wenn es um einen selbst geht (oder man Teil eines Systems ist), die ganz offensichtlichen Dinge zu erkennen. Von der Umsetzung wollen wir mal gar nicht reden!

Lionel hat das nun zum Glück erkannt. Das Einzige, was ihm jetzt noch im Weg stehen kann ist einmal mehr nur er selbst. Sein leider noch viel zu großes Ego und seine Starrköpfigkeit. Er hat sich für den gleichen Coach (David) entschieden wie damals und ich wünsche ihm von Herzen, dass das gut klappt und er nächstes Jahr wieder für erstklassige Fights auf Weltklasse-Niveau sorgen kann.

Und Dir lieber Leser wünsche ich, dass auch Du erkennen mögest, dass Du es nicht allein tun kannst. Manchmal braucht es einfach eine zweite Meinung, eine klare Führung, mehr Struktur, das Infrage-stellen lieb gewordener Gewohnheiten und starrer Trainings-Regimes. Es gibt da draußen ja auch außer mir noch ein paar fähige Coaches. Frag‘ Google und nimm‘ Dir um Himmels willen einen Coach und trainiere vernünftig!

Und jetzt wollen wir doch nicht das Original-Video von Maestro Talbot Cox mit dem unvergleichlichen Lionel Sanders vergessen:

Für all jene, die noch nicht die Hintergrund-Story von Lionel kennen, hier die Kurz-Doku „Chasing the Lion“. Ich finde sie extrem inspirierend, vor allem die Schluss-Sequenz, in der er über seine Motivation spricht, die individuellen Grenzen zu verschiebe.

Posted in Allgemein and tagged , , , , , , , , , .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.