XTERRA Luxemburg

XTERRA Luxemburg – der Rennbericht

Geschwind für einen Kurztrip ins kleine Nachbarland, um die noch fehlenden Punkte für den Sieg in der XTERRA European Tour (Slogan: „THE EU’S PREMIER OFF-ROAD TRIATHLON SERIES“) beim XTERRA Luxemburg zu sichern und keinem Mitbewerber irgendwelche Hoffnungen zu machen. Das war das Ziel. Aus diesem Ziel ergab sich die wichtigste Kernaufgabe: Ankommen. Keine Risiken eingehen, ganz auf Nummer Sicher gehen, nicht verletzen. Gleich als nächstes Ziel kam dann aber auch schon der Sieg. Ich wusste von meinen „Lieblings-Konkurrenten“ Dirk Pauling und Klaus Lietke aus der Schweiz, dass sie wieder am Start stehen würden. In Prachatice vor vier Wochen (XTERRA European Championship) gelang mir bereits das Kunststück, die beiden Granaten noch beim Laufen abzufangen – so hätte ich das gern nochmal gespielt.

Also geschwind am Samstag-Morgen nach dem Frühstück an die deutsch-luxemburgische Grenze gedüst (nur ein paar Kilometer von Trier). Gerade als wir ankommen formiert sich die geballte deutsche Streitmacht zum Streckencheck. Ich schließe mich an. Es ist mörderheiß und wir schwitzen bei den in die 30 km-Strecke gepackten 1000 Höhenmeter, wobei wir nur eine von zwei Runden gefahren sind. Urteil: Technisch eher einfach mit ein paar ziemlich heiklen Stellen, sonst reine Drückerstrecke. Zwei lange Anstiege, ein paar hübsche, flowige Singletrails – insgesamt schon eine nette Strecke (nur halt nicht gerade MEIN Ding). Definitiv mehr geeignet für die Jungs aus der 400W-Oberschenkel-Fraktion.

Anschließend kurz duschen. Der Campingplatz liegt direkt neben dem Event-Gelände und auch, wenn ich von meiner Identität her nicht der Campingplatz-Typ bin, ist die Logistik unschlagbar (und ich fand nichts adäquates im Umland). Außerdem waren „alle anderen“ auch da. Dann Startunterlagen abholen (ich habe die #112, „beat your number“ sollte also drin sein). Dann in die Schlange einreihen, um die mittägliche Pasta-Party zu nutzen. Als jemand, der sich ein wenig mit Prozess-Design auskennt, fallen mir die ersten Mängel auf. Aber okay, beim 1. Mal muss man ein Auge zudrücken. Interessanterweise sind es aber häufig ganz kleine Details, die sehr leicht zu verändern wären und die „user experience“ massiv verbessern würden. Schade.

Dann ein wenig chillen am Pool und schließlich über die Brücke auf die deutsche Seite und im Ralinger Hof überraschend fein zu Abend essen mit der Crew. Wir verabreden uns dann auch gleich zum gemeinsamen Frühstück bei Susanne & Marco am nächsten Morgen.

Kein Auge zu

Wir haben einen schönen Platz direkt am Fluss erwischt, nicht ahnend, dass die Hausgans Erna hier sozusagen der Platzhirsch ist und dem entsprechend ihr Revier verteidigen muss. So erleben wir eine wahre Horror-Nacht in der ich kaum ein Auge zumachen kann. Anyway, im Vorfeld dieses Rennens sind ohnehin schon eine Menge Kleinigkeiten schief gelaufen und ich hoffe, dass bei so viel Pech dann wenigstens im Rennen alles glatt läuft. Oft läuft es ja dann aber nach dem alten Kalauer „Zuerst hatte ich kein Glück…und dann kam auch noch Pech dazu!“ 🙂

Die Lage von Rosport am Grenzfluss Sauer ist echt hübsch. Der Stausee, die umliegenden grünen Hügel, die Weinberge, alles tip top! Die Logistik ist wie gesagt einmalig – alles ist fußläufig zu erreichen und wir brauchen nicht ein Mal das Auto bewegen.

Glücklicherweise hat es am Vorabend kurz einen Gewittersturm gegeben und die Luft von 30°C auf 20°C runter gekühlt. Das Wasser wird am Morgen mit 22,2°C gemessen und ergo ist kein Schwimmen mit Wetsuit erlaubt. Pech für mich, denn einer meiner härtesten Widersacher ist als Ex-Schwimmer da klar im Vorteil und wird mir später deutlich mehr Zeit abnehmen, als normal.

Beim Einchecken treffe ich Kumpel (und neuer, alter Deutscher Meister) Jens Roth (später 3. Platz Elite) und in der Wechselzone dann auch gleich die portugisische Abordnung in Person von Rui Dolores und Tiago Maia (später 5. Platz Elite bzw. DNF). Zwei super-nette Typen, die bei Jens übernachtet haben.

Direkt neben mir meine zwei Killer-Maschinen aus der Schweiz: Dirk mit der 110, Klaus mit der 113. Zumindest muss ich mich nicht wundern, wenn neben mir schon alle Räder weg sind (T1) bzw. schon wieder vor mir zurück sind (T2). 😉

Das Rennen

Dann ein letztes „sich gegenseitig viel Spaß und Erfolg wünschen“ und schließlich geht’s runter zum Fluss/Stausee. Der Eingang ist sehr chaotisch und wieder schlecht geplant. Dadurch kommt das Einschwimmen einmal mehr zu kurz. Aber irgendwann geht’s dann auch mal los. Ich komme im Grunde ganz ordentlich weg, halte mich ganz links aus sämtlichen Schlägereien heraus. Nach der zweiten Wendeboje bin ich dann aber einen Moment unaufmerksam und – zack – ist sie da, die Lücke. Und statt JETZT UND HIER Vollgas die kleine Lücke zuzuschwimmen, verpenne ich den Moment und dann ist es zu spät. Dafür halte ich dann ganz brillant den gleichen Abstand bis zur Brücke, nur um dann in der 2. Runde nochmal ordentlich Zeit einzubüßen. Dafür darf ich die gesamte Strecke ganz allein für mich schwimmen… 🙁

So verliere ich auf den Ex-Schwimmer Klaus statt den üblichen 1:30 satte zwei Minuten mehr und bringe mich vom Start weg in Zugzwang. Anyway. Raus, schlechter Wechsel dank „Speedsuit will nicht wie ich will“ (klassischer Fall von „da verliere ich mehr beim Ausziehen, als ich durch ihn gewonnen habe).

Dann aber auf’s Rad. Das Desaster nimmt kein Ende, denn mitten im Ort, als ich gerade scharf rechts um eine Mauer biege, steht plötzlich eine dieser riesigen Traktoren vor mir und steht voll in die Eisen (wie auch ich). Ich komme dann mit Müh und Not und Zentimeter-Abstand zwischen den scharfen Zacken seines „Heu-Umdrehers“ und der Mauer durch. Sorry, aber so etwas GEHT GAR NICHT. Durch Fahrzeuge auf der Rennstrecke hat es schon diverse Todesfälle gegeben. Bitte unbedingt beim nächsten Mal abstellen!

Als ich gerade meinen Rhythmus finden will, bricht mein Flaschenhalter und meine Radflasche purzelt über den Weg. Ich muss eine Sekunde überlegen, bremse sofort und gehe sie wieder einsammeln. An dieser Stelle im Rennen ohne Verpflegung wäre der Anfang vom Ende. Und ich wollte ja vor allem erstmal durchkommen. Ich kann es so lösen, dass der Halter wenigstens für’s Rennen die Flasche hält. Also weiter…

Langsam aber sicher finde ich dann doch so etwas wie meinen Rhythmus und der Rest der Radstrecke verläuft dann auch ohne weitere Vorkommnisse.

Der zweite Wechsel ist auch nicht toll, aber wenigstens halbwegs im Rahmen. Im Vergleich zu den letzten beiden Rennen muss ich mich echt fragen, wie viel in einem Rennen schief laufen kann. Aber ich muss selbstkritisch analysieren, dass ich eben auch viel zu wenig beim Schwimmtraining war und mit den Erfahrungen aus Prachatice und Zittau übermütig wurde und meinte, ich müsste die Wechsel nicht mehr üben. GANZ großer Fehler!

Dann kam aber wenigstens der abschließende Lauf und so konnte ich immerhin ein wenig Hoffnung aufkommen lassen. Zuerst überholten mich ein paar richtig schnelle Jungs, aber das waren alles Profis, die vor uns gestartet waren und in ihre letzte Runde gingen. Dann kam meine Zeit des Aufholens und es lief mal wieder richtig gut. Wenigstens auf meine Laufbeine ist Verlass zur Zeit. So konnte ich auf meine zwei Eidgenossen fast 5 Minuten rauslaufen (in Worten: fünf!), überholte Dirk mitte der zweiten Runde. Aber leider leider sollte es für Kollege Klaus gerade nicht mehr reichen.

Erstes Fazit: Einfach mal schneller schwimmen. Aber außerdem: Ein schnellerer 1. Wechsel hätte auch gereicht. Ein bisschen weniger Pleiten, Pech und Pannen wäre sicher auch hilfreich gewesen. Aber so ist das eben manchmal im Wettkampf. Ich gönne es Klaus von Herzen und freue mich, dass ich so kompetente Mitstreiter habe und nicht mit 14 Minuten Vorsprung gewinne wie in Zittau (DM-Wertung).

Leider sind wir dann direkt nach dem Rennen, Auschecken und Duschen nach Hause gefahren. Info des Veranstalters: Nur der/die Erste jeder Kategorie wird geehrt. Das fand ich schon wenig wertschätzend. Sonst gehe ich ja aus diesem Grund (Wertschätzung) grundsätzlich zur Siegerehrung, aber die in Belgien war so gruselig schlecht und (fast) ausschließlich in französisch – da wollten wir nicht mehr hin. Außerdem war ich so unsäglich müde, dass ich während der Fahrt schon mehrfach fast eingeschlafen bin. Im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass doch die ersten Drei jeder Kategorie geehrt wurden…tja, was soll ich sagen – Kommunikation halt!

Insgesamt muss ich sagen, das es ein geiles Rennen mit tollen Strecken war und echt wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Klar, bei einer Erstaustragung gibt es so die eine oder andere organisatorische Panne, aber das sollte bei einer (hoffentlich) Zweitaustragung im nächsten Jahr alles zu beheben sein. Und dann hat das Rennen echt Potenzial! Vielleicht noch ein paar Singletrails mehr in die Radstrecke packen statt nur reines Höhenmeter-Gebolze. Aber dann…bring it on!

Race Stats:

  • Wetter: Sonne/Wolken-Mix bei 22°C, Wasser ebenfalls 22°C
  • Strecke: 1,5k Swim – 30k MTB – 10k Run
  • Zeiten: 25:13 (Swim) – 1:19 (T1) – 1:41:09 (Bike) – 0:55 (T2) – 44:19 (Run) = 2:52:57 Gesamt
  • Platzierung: 2. Platz (60.)
  • Ausrüstung: Zone3 Goggles, Humanspeed-Einteiler, ROKA Speedsuit, SCOTT Spark RC MTB, SCOTT RC Ultimate MTB-Schuhe, SCOTT Centric Plus Helm, SCOTT MTB Handschuhe, Oakley Brille, Salomon S-Lab Sense Laufschuhe
    Ergebnisliste gibt’s hier!
  • Photo Credits: Engele, XTERRA, Carel du Plessis

Mein Vorbericht gibt’s hier und die erweiterte Foto-Galerie hier!

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