Central Governor

Ermüdung kommt vom Hirn – die Central Governor Hypothese

In letzter Zeit häuften sich die Studien und Berichte darüber, dass Ermüdung vielleicht doch am Ende gar nichts mit dem Muskel zu tun hat, Hypotondern vor allem mit dem Gehirn. Das behauptet jedenfalls die sogenannte Central Governor Hypothese. Wer die sportwissenschaftliche und medizinische Literatur etwas verfolgt, dem konnte nicht entgehen, dass der Stand der Wissenschaft sich gerade in den vergangenen Jahren deutlich veränderte. Die Milchsäure (Laktat) wurde abgelöst als der „böse Bube“, der einen langsamer laufen lässt. Im Gegenteil wurde Laktat als eine unglaublich rasch verfügbare Energiequelle entdeckt, die dem trainierten Körper direkt zur Verfügung steht.

Alles nur im Kopf?

Nun gibt es ausreichende Hinweise darauf, dass es am Ende des Tages wieder einmal das Gehirn ist, dass unsere Ausdauerleistung limitiert. Eine Forschungsgruppe um Emma Ross unternahm eine Studie mit trainierten Läufern. Diese mussten 20 km auf Zeit in möglichst gleichbleibendem Tempo laufen. Nach jeden 5 km wurde verschiedene Körper-Parameter gemessen. Die These lautete folgendermaßen (verkürzt und vereinfacht dargestellt): Wir messen die maximale Muskelkontraktion.  Wenn ein Muskel ausgeruht und frisch ist, erzeugt er eine gewisse Kraft X, wenn der Proband gebeten wird, den Muskel maximal anzuspannen. Mit zunehmender Ermüdung des Muskels nimmt diese Kraft ab. Der Unterscheid zwischen der Maximalkraft in ausgeruhtem und ermüdetem Zustand zeigt den Grad der Ermüdung an. Die Frage ist nun: Warum nimmt sie ab?

Also haben die Forscher den Muskel immer wieder elektrisch stimuliert, um das Gehirn zu umgehen. Dieses sendet normalerweise den elektrischen Impuls zur Kontraktion. Ergebnis: Der Muskel ließ NICHT nach, sondern funktionierte einwandfrei bei voller Kraft weiter bis zum Ende der 20 km und darüber hinaus. Derweil waren alle Probanden gefühlt am Ende ihrer Kräfte und mussten deutliche Leistungseinbußen hinnehmen. Ergo ist es nicht der Muskel, der ermüdet, sondern unsere mentalen Kräfte sind am Ende und wir „geben auf“.

Selbstverständlich unterstreicht die Studie auch einen der aus meiner Sicht fundamentalen Trainingsfehler der meisten Athleten. Physisch wird trainiert bis zum Umfallen. Materialtechnisch sind alle auf dem neuesten Stand. Ernährungstechnisch lässt man nichts unversucht. Für alle diese Bereiche lässt man sich coachen. Aber im mentalen Bereich sind die meisten Athleten weitgehend blank. Diesen Bereich trainieren die Wenigsten. Und diejenigen, die es tun, sind die wahren Profis!

Hier die Studie im Original für die Freaks (Medicine & Science in Sports & Exercise – Juni 2010, Volume 42, Issue 6, Seite 1184-1190)!

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