Trainings- versus Wettkampfleistung

Trainings- versus Wettkampfleistung

Gestern das Rennen in Oceanside hat einmal mehr gezeigt, dass man gerade als Profi sehr aufpassen muss, was man wie kommuniziert, kommentiert und publiziert. Der erste richtig große Showdown des Jahres beim IM 70.3 im kalifornischen Oceanside. Die zwei Protagonisten dieses Rennen haben in der nahen Vergangenheit ihre Trainings- versus Wettkampfleistung serh unterschiedlich kommuniziert. Der Eine eher etwas zurückhaltend, der Andere geradezu marktschreierisch. Frodo nach einem ziemlich schwachen Wettkampfjahr 2017 mit dem Marathon-Marsch in Kona. Auf der anderen Seite der Lionel Sanders, der im vergangenen Jahr so fast alles gewann, was es zu gewinnen gab (außer der Krone von Kona). Ich muss gestehen: Auch ich konnte mir nicht vorstellen, dass Frodo hier gute Karten hätte. Sanders selbst ist mittlerweile einer der best-dokumentierten Triathleten auf dem Planeten (hier sein YouTube-Kanal). Er ist nicht gerade zurückhaltend was seine Kommunikation betrifft (und das nicht nur für deutsche Verhältnisse). Er macht Ansagen am laufenden Band und ist mega-offen, was seine Trainingsleistungen betrifft.

Race for money, train for show

Und hier kommen wir zum springenden Punkt. Einer der in der Business-Welt am häufigsten zitierten Management-Vordenker ist Peter Drucker und hier vor allem sein Spruch „What get’s measured get’s done“. Obgleich ich ihn ansonsten sehr schätze und viele Gedanken teile, sehe ich diesen Punkt vollkommen anders.

Keine Frage: In bestimmten Bereichen und bestimmte Menschen betreffend können Zahlen extrem hilfreich sein. Aber am oberen Ende der Food Chain (gleich ob bei den Top-Profis oder ambitionierten Amateuren) sehe ich immer wieder das selbe Muster. Da sind viele, viele Athleten, die regelmäßig hervorragende Trainingsleistungen abliefern und dokumentieren. Top-Zahlen in Speed- oder Watt-Werten. Und dann im Rennen: Fehlanzeige! Bitte jetzt nicht falsch verstehen: Lionel’s Leistungen (immerhin persönlicher Streckenrekord) waren super. Aber von dem Hype, den er entfachte, musste man annehmen, dass 2018 kein einziger Langdistanz-Athlet auch nur annähernd seine Leistungen erreichen könnte. Und dann die volle Demütigung von Frodo, der in allen drei Disziplinen schneller war – IN ALLEN DREIEN!

Die Matrix

Wie in anderen Lebensbereichen auch, gibt es im Sport so etwas wie gesellschaftliche Konditionierung, das, was ich „die Matrix“ nenne. Im Sport – und hier besonders gut im Triathlon – kann man das recht gut an der „herrschenden Meinung“ der Trainingslehre erkennen, wie sie vor allem auch in Verbandstrukturen abgebildet wird. Wo Übungsleiter heran gezüchtet werden, die zwar in der Theorie alles verstanden haben, die alle möglichen Lehrbücher runterbeten können, denen es aber an jeder Trainingspraxis mangelt. Die weder über die Sensibilität im Umgang mit Athleten (Menschen!), noch über das nötige Know-how der menschlichen Psyche und deren Einfluss auf Trainings-, vor allem aber auch Wettkampfleistungen verfügen.

Auf der anderen Seite des Spektrums sind all jene Athleten, die ohne jeden Plan oder Ziel „einfach so in den Tag hinein trainieren“. Ich halte das eine, wie das andere Extrem für gefährlich. Wie immer im Leben erscheint „ein gesunder Mittelweg“ der rechte Weg zu sein. Ich sehe halt nur in der Praxis, dass die (typisch deutsch übrigens!) rein Zahlengläubigen keinerlei Gefühl für ihren Körper, Geschwindigkeiten oder wahrgenommene Anstrengung entwickeln und gerade in emotionalen Rennsituationen richtig schlechte Entscheidungen treffen (und sich dessen in aller Regel nicht bewusst sind).

Wie so oft auf diesem Blog geschrieben: Am Ende des Tages zählt in einem Wettkampfsport wie Triathlon einzig und allein die Wettkampfleistung, nicht welche spektakulären Wattwerte Du auf der Rolle gedrückt hast oder welchen neuen atemberaubenden 1500 Meter Freistil-Rekord Du aufgestellt hast.

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